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Burg Gamburg – die wiederentdeckte Burg im Taubertal

Ein altes Sprichwort sagt: warum in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah. Dies könnte auf die Burg Gamburg, einer Höhenburg, zutreffen. Sie liegt auf einer Anhöhe über dem Dorf Gamburg im Taubertal. Das Taubertal mit der Gemeinde Werbach zu der das Dorf Gamburg gehört im nördlichen Main-Tauber-Kreis. Die Gemeinden liegen direkt an der Tauber die sich von Rothenburg ob der Tauber bis nach Wertheim zieht und dort in den Main mündet. Ein Teil der romantischen Straße führt hier an der Tauber entlang.

Die Burg Gamburg mit dem dazugehörigen Burggarten ist ein Kulturerbe mit Europäischem Rang. Mitte des 12 Jahrhunderts wurde die Burg als Grenzbefestigung des Mainzer Erzstiftes erbaut. Seit 2001 ist die Gamburg als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ („Nationaldenkmal“) gelistet. Der Bergfried, so nennt man die Türme einer Burg, ist das älteste Bauwerk der Burg. Der Turm hatte einen Hocheingang, man kann noch den Kragstein im Turm sehen, der mit einem hölzernen Aufstieg zu erreichen war. Vorteil war bei diesem Eingang, man konnte von innen den Aufgang vom Turm entfernen um somit die Besetzung von feindlichen Truppen verhindern. Ein gravierender Nachteil war, wenn man im Turm war kommt man nicht mehr raus. Was selten war bei diesem Burgfried war, er diente zeitweise als Wasserspeicher für den Barocken Burggarten.

Burg Gamburg offizielle Seite

Im zweiten Weltkrieg beherbergte er Auslagerungen verschiedener Museen unter anderem des Goethe Museum von Frankfurt am Main. Ebenfalls wurden dort auch Dokumente und Akten der „Roten Kapelle“ einer kommunistischen Widerstandsgruppe eingelagert. Als die Amerikanischen Streitkräfte näher rückten sollte der Turm von der SS geprengt werden was aber verhindert werden konnte. Stattdessen wurden die Akten von den Jugendlichen des Ortes heraus geschafft und im Burghof verbrannt.

Der kulturhistorische einzigartige Rittersaal trägt Wandmalereien die sogenannten “ Barbarossa-Fresken“ die die ältestes Malereien nördlich der Alpen sind. Entdeckt wurden Sie 1986 von  Hans-Georg v. Mallinckrodt jun. dem heutigen Besitzer der Burg. Die Wandmalereien zeigen Szenen von den Kreuzzügen Friedrich Barbarossas in das byzantinische Adrianopel. Zusammen mit diesen Wandmalereien wurde auch Doppelarkaden im Rittersaal entdeckt mit einer einzigartigen Knotensäule in der Mitte. Der Rittersaal selbst verfügte über sogar über eine Fußbodenheizung.

Unüblich für eine Burg ist, dass die Gamburg zwar öfters mal umgebaut wurde aber sie wurde nie zerstört und ist seit Ihrer Errichtung dauerhaft bewohnt. In den 1420 Jahren kam es zu einigen wichtigen Baumaßnahmen durch den Erzbischof von Mainz. So wurde die Burg durch verschiedene Türme und Burggraben sowie mit einem Doppelturm Burgtor ausgestattet. Im 15 Jahrhundert wurde weitere Baumaßnahmen durchgeführt. Nur durch das persönliche Einschreiten von Götz von Berlichingen im Bauernkrieg wurde die Burg gerettet.

Der Eberhard Rüdt zu Collenberg erstand 1546 die Gamburg durch ein Tauschgeschäft mit dem Mainzer Erzbischof. Seit dem ist sie im Adeligen Privatbesitz. Auch unter Eberhard Rüdt zu Collenberg wurden einige Baumaßnahmen durchgeführt wie der Umbau des oben genannten Rittersaals.

Im hinteren Teil der Burg befindet sich der Burggarten. Dieser wurde zweimal völlig verwildert hinterlassen. Seit den 1980 Jahren legt nun die Familie von Mallinckrodt Stück für Stück die Gartenanlage frei und hat bis jetzt sehr Umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen sowohl im Garten als an der Burg selbst vorgenommen. Auch ein Brunnen, der heutige Nymphenbrunnen, wurde wieder entdeckt und wieder funktionsfähig gemacht. Der Park oder Burggarten liegt auf der Nordseite der Burg mit einer seltenen Ost-West Achse. Was ist der Vorteil? Im Osten geht die Sonne auf somit hat man am Morgen ein herrliches Lichtspiel und im Westen geht die Sonne wieder unter. Auch da hat man wieder zu den Abendstunden ein herrliches Lichtspiel im Garten. Tagsüber ist es hier kühl und angenehm da der Park im Schatten liegt. Auf dem heute verwaldeten Berghang erstreckte sich nämlich ehemals ein Deutscher Landschaftspark bis ins Tal, von dem heute noch einige Grotten, Bassins, Wege, Treppen und Alleenreste erhalten geblieben sind. Vor allem aber ein romantisch gelegener Sandsteinobelisk aus dem Jahre 1800, der noch von der hinteren Gartenbalustrade zu sehen ist und anlässlich der Hochzeit der Gräfin Antoinette von Westphalen zu Fürstenberg mit dem Grafen Friedrich Karl von Ingelheim genannt Echter von Mespelbrunn errichtet wurde.

Heute wird vor allem der Burghof von der Eigentümerfamilie während der Saison mit Palmen, Zitronen-, Feigen- und Olivenbäumen sowie über 300 weiteren, meist exotischen Topfpflanzen versehen, die ihn mit herrlichen Düften erfüllen und ihm ein besonders mediterranes Flair verleihen. Zwischen den Pflanzen und Gemäuern wurden zudem Statuen von Putten, Tieren, Dämonen und eine direkt vom bekannten barocken Kupferstecher Callot inspirierte kleine Zwergengalerie aufgestellt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war der Bereich des heutigen Burgcafes noch vollständig bebaut und mit einer wesentlich höheren Wehrmauer versehen, bevor all dies zur Burgterrasse planiert wurde, deren heutiger Garten mit fantastischer Aussicht von einem mächtigen Spitzahorn dominiert wird.

Falls Sie sich entschieden haben zu heiraten das offizielle Trauzimmer der Gemeinde Werbach befindet sich auf der Burg Gamburg.

Ein Besuch der Burg ist auf jeden Fall empfehlenswert. Im Garten des Burghofes ist ein kleines Cafe wo man Getränke Kaffee und Kuchen bekommt. Außerdem werden die Führungen nur durch den heutigen Besitzer Hans-Georg v. Mallinckrodt jun. durchgeführt mit einer Leidenschaft und Begeisterung die man nur sehr selten erleben kann.

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